Liebes Publikum,
»Klug ist und Herr über manche Gefahr, wenn er bedenkt, was er sieht, der Mensch. Aufmerkenden Geistes vernimmt er Zeiten des Unheils zeitig genug, wenn er will.«, heißt es in »Biedermann und die Brandstifter«. Was sehen wir? Häufig gleitet unser Blick über etwas hinweg: erst die Irritation hält ihn auf. Was wir sehen, ist selten vollständig – und was wir übersehen, ist ebenso Teil der Welt wie das Offensichtliche. Damit spielen auch die diesjährigen Ensemblefotos, die Vollständigkeit vorspiegeln. Erst auf den zweiten Blick lässt sich hier erkennen, dass etwas nicht stimmig ist. Das Bild will ergänzt und weitergelesen werden.
Wir befragen, was wir sehen – und was oder wen wir übersehen. Die Spielzeit beginnt mit einem »einfachen Menschen«, der sich durch ein Jahrhundert der Kriege bewegt: Jan-Christoph Gockel inszeniert »Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk« und zeigt, wie dieser vom Ersten in den Zweiten Weltkrieg marschiert und in der Gegenwart als »Schwejk in Bachmut« ankommt.
Oft übersehen wir die, die durch äußere Umstände aus dem Gleichgewicht geraten sind. »Eines langen Tages Reise in die Nacht« zeigt die Abgründe einer Künstlerfamilie zwischen Rausch, Krankheit und Traum. Hans Falladas »Kleiner Mann – was nun?« und Arthur Millers »Tod eines Handlungsreisenden« greifen Lebensrealitäten zwischen Hoffnung, Depression und sozialer Ungerechtigkeit auf.
Von der Kluft zwischen öffentlichem Bild und persönlichem Begehren erzählt »Edward II«, während in Thomas Melles »Frankenstein«-Überschreibung eine erfolgreiche Erfindung dem Monster im Inneren des Menschen ihren Ort verleiht – bevor sie außer Kontrolle gerät. Weder Kontrolle noch Einblick hat Josef K. in Kafkas »Der Prozess«; er gerät in ein Verfahren, dessen Regeln und Autoritäten ihm vollständig verborgen bleiben.
Neue Stücke in den Kammerspielen erzählen das Schwere scheinbar leicht: Die Uraufführung »Der Abend vor dem Danach« von Lisa Wentz sowie »Lecken 3000« von lynn t musiol rücken Macht und Missbrauch in unser Blickfeld. Mit Wentz und musiol zeigen wir zwei junge Dramatiker:innen erstmals in Frankfurt, deren Texte zwischen Intimität, politischer Dringlichkeit und sprachlicher Experimentierlust neue Räume öffnen.
Dorothee Elmigers preisgekröntes Werk »Die Holländerinnen« führt tief in einen undurchsichtigen Dschungel, einem rätselhaften Verschwinden auf der Spur. Auf einen ebenfalls verrätselten Themenkomplex blickt Bonn Park humorvoll, indem er Horror, Hoffnung und die Deutsche Bahn aufeinandertreffen lässt. Ohne Bahn, dafür mit dem Besen fliegt die kleine Hexe in der neuen Familienstück-Produktion und erlebt spannende Abenteuer.
Das Junge Schauspiel unter der Leitung von Martina Droste wird selbstverständlich wieder eigene Stückentwicklungen präsentieren und im Schauspielhaus ist im Frühjahr die Dresden Frankfurt Dance Company zu Gast.
Wir freuen uns auf viele Blickwechsel, mit Ihnen, unserem Publikum. Kommen Sie ins Theater – und lassen Sie uns gemeinsam mit geschärftem Blick hinausgehen.
Anselm Weber
Intendant und Geschäftsführer
Wir befragen, was wir sehen – und was oder wen wir übersehen. Die Spielzeit beginnt mit einem »einfachen Menschen«, der sich durch ein Jahrhundert der Kriege bewegt: Jan-Christoph Gockel inszeniert »Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk« und zeigt, wie dieser vom Ersten in den Zweiten Weltkrieg marschiert und in der Gegenwart als »Schwejk in Bachmut« ankommt.
Oft übersehen wir die, die durch äußere Umstände aus dem Gleichgewicht geraten sind. »Eines langen Tages Reise in die Nacht« zeigt die Abgründe einer Künstlerfamilie zwischen Rausch, Krankheit und Traum. Hans Falladas »Kleiner Mann – was nun?« und Arthur Millers »Tod eines Handlungsreisenden« greifen Lebensrealitäten zwischen Hoffnung, Depression und sozialer Ungerechtigkeit auf.
Von der Kluft zwischen öffentlichem Bild und persönlichem Begehren erzählt »Edward II«, während in Thomas Melles »Frankenstein«-Überschreibung eine erfolgreiche Erfindung dem Monster im Inneren des Menschen ihren Ort verleiht – bevor sie außer Kontrolle gerät. Weder Kontrolle noch Einblick hat Josef K. in Kafkas »Der Prozess«; er gerät in ein Verfahren, dessen Regeln und Autoritäten ihm vollständig verborgen bleiben.
Neue Stücke in den Kammerspielen erzählen das Schwere scheinbar leicht: Die Uraufführung »Der Abend vor dem Danach« von Lisa Wentz sowie »Lecken 3000« von lynn t musiol rücken Macht und Missbrauch in unser Blickfeld. Mit Wentz und musiol zeigen wir zwei junge Dramatiker:innen erstmals in Frankfurt, deren Texte zwischen Intimität, politischer Dringlichkeit und sprachlicher Experimentierlust neue Räume öffnen.
Dorothee Elmigers preisgekröntes Werk »Die Holländerinnen« führt tief in einen undurchsichtigen Dschungel, einem rätselhaften Verschwinden auf der Spur. Auf einen ebenfalls verrätselten Themenkomplex blickt Bonn Park humorvoll, indem er Horror, Hoffnung und die Deutsche Bahn aufeinandertreffen lässt. Ohne Bahn, dafür mit dem Besen fliegt die kleine Hexe in der neuen Familienstück-Produktion und erlebt spannende Abenteuer.
Das Junge Schauspiel unter der Leitung von Martina Droste wird selbstverständlich wieder eigene Stückentwicklungen präsentieren und im Schauspielhaus ist im Frühjahr die Dresden Frankfurt Dance Company zu Gast.
Wir freuen uns auf viele Blickwechsel, mit Ihnen, unserem Publikum. Kommen Sie ins Theater – und lassen Sie uns gemeinsam mit geschärftem Blick hinausgehen.
Anselm Weber
Intendant und Geschäftsführer