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SEP

Premiere: 11. September 2026, Schauspielhaus


Schwejk – eine Till Eulenspiegel-Figur im Krieg: Mit anarchischem Witz untergräbt »der brave Soldat« die Kriegsmaschinerie des Ersten Weltkriegs. Jaroslav Hašeks zweibändiger, unvollendeter Roman wurde von seinem Autor selbst als »bestes humoristisch-satirisches Buch der Weltliteratur« angepriesen. Trotz Rheuma zieht Schwejk in den Krieg, der sich in Hašeks aberwitzigen Episoden als Chaos entlarvt.

Bertolt Brecht war begeistert von der Schwejk-Figur. Hašeks Roman hat ihn über Jahre nicht losgelassen. Gemeinsam mit Erwin Piscator erarbeitete er eine berühmte Bühnenbearbeitung des Textes, die 1928 zur Aufführung kam. Darüber hinaus hatte Brecht Pläne, den Stoff zu verfilmen, um schließlich 1943 im amerikanischen Exil an einem eigenen Stück zu schreiben, in dem er »Schweyk im zweiten Weltkrieg« aufmarschieren lässt, wo er ein dienstbares Rädchen des deutschen Faschismus wird. Hanns Eisler schrieb die Musik dazu, darunter Songs wie »Das Weib vom Nazisoldaten« oder »Das Lied vom kleinen Wind«. Am Ende des Stückes trifft Schwejk, »der kleine Mann«, der sich freiwillig gemeldet hat, in Stalingrad auf Hitler. Das Stück von Brecht bildet den zweiten Teil einer Schwejk-Trilogie, die Regisseur Jan-Christoph Gockel im Ersten Weltkrieg beginnen lässt.

Der dritte Teil zeigt »Schwejk in Bachmut«. Textliche Grundlage hierfür bildet eine Recherche des in Russland geborenen und seit 2023 in Deutschland lebenden Regisseurs und Autors Sergei Okunev, der Interviews mit ehemaligen Wagner-Söldnern geführt hat, die an der Schlacht um Bachmut beteiligt waren. Sie werfen einen Blick auf die »kleinen Rädchen« innerhalb der Kriegsmaschinerie. Wie halten die einzelnen Rädchen eine Vernichtungsmaschinerie am Laufen? Und: Kann ein »Idiot« wie Schwejk heute noch eine Kriegsmaschine aus dem Takt bringen? Jan-Christoph Gockel verbindet wie kaum ein anderer Regisseur Politik mit Poesie: In seinen Arbeiten treffen Puppen, Schauspieler:innen, Film, Musik und dokumentarisches Material aufeinander. Am Schauspiel Frankfurt war in seiner Regie u.a. »Öl!« sowie »Faust 1 & 2« zu erleben. Er ist Hausregisseur an den Münchner Kammerspielen, wo er für »Wallenstein« erstmals mit Sergei Okunev zusammenarbeitete. Die Arbeit wurde zum Berliner Theatertreffen 2026 eingeladen.

Regie Jan-Christoph Gockel Bühne Julia Kurzweg Kostüme Janina Brinkmann Musik Matthias Grübel Video Eike Zuleeg Puppenbau Michael Pietsch Dramaturgie Katrin Spira
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Uraufführung

Premiere: 12. September 2026, Kammerspiele


Es soll ein schöner Abend werden: Luca, Irene, Gabriel und Alexandra; ein Abendessen zu viert. Guter Wein, gute Gespräche, selbstgekocht statt Catering. Heute bleibt man ganz unter sich. Denn neben dem Essen geht es auch um Geld. Um sehr viel Geld. Gabriel, der eingeladen hat in seine stilvolle Villa, ist Lucas Boss. Luca ist sein bester Mann. Wenn alles glatt läuft heute, dann wird Gabriel Luca einen Deal übertragen. Das Leben von Luca, Irene und ihren beiden Kindern wird neu beginnen: in einer anderen Liga, ganz weit oben. Doch für einen der vier Menschen geht es um viel mehr als um Deals: Es geht um Würde, Verantwortung, Scham, Rache, Strafe. Um etwas, das nie vergangen ist. Heute Nacht wird abgerechnet. Doch was wird morgen sein?

Lisa Wentz zählt zu den führenden österreichischen Dramatiker:innen ihrer Generation. Sie hat mehrfach bedeutende Preise gewonnen, darunter den Retzhofer Dramapreis (2021) und den Nestroy‑Autor:innenpreis (2022) für ihr Stück »Adern«. Ihre Stücke verbinden sprachliche Präzision mit psychologischer Tiefe; pointierte Dialoge mit einer klaren politischen Haltung.

Mit dieser Auftragsarbeit stellt sich die Autorin erstmals in Deutschland vor. Susanne Frieling kehrt nach dem Erfolg von »Wir haben es nicht gut gemacht« und »Bilder deiner großen Liebe« mit einer weiteren sensiblen und eindringlichen Regiearbeit in die Kammerspiele zurück.

Regie
Susanne Frieling Bühne und Musik Florian Schaumberger Kostüme Elisabeth Weiss Dramaturgie Alexander Leiffheidt
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Positionen und Perspektiven

Eine neue Gesprächsreihe, Kammerspiele
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Ein Gast, zwei Moderator:innen, viele Perspektiven: In dieser Gesprächsreihe geht es ums Zuhören, Nachfragen, Vertiefen, um die persönliche Sicht auf wichtige Fragen unserer Zeit.

Mit Saba-Nur Cheema, Meron Mendel und Gästen 
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OKT
Das Deutschlandherz

Text und Regie: Bonn Park
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Uraufführung
Premiere:  2. Oktober 2026, Kammerspiele


»Eine Gruppe junger Menschen, Freunde mutmaßlich, haben Tickets für den letzten Zug. Doch als der nicht zu kommen scheint, bemerken sie, dass hier an diesem Ort etwas nicht stimmt. Sie suchen den Ausgang, den Eingang, irgendeine Form von Fortschritt oder Veränderung, doch sie treten auf der Stelle. Sie wissen nicht mehr, ob sie eingesperrt sind oder frei.«

Autor und Regisseur Bonn Park, dessen erste Arbeit am Schauspiel Frankfurt, »They Them Okocha«, für den Mülheimer Dramatikpreis nominiert war, nimmt sich für sein neues Stück des Horror-Genres an. In seinem Grusel-Märchen »Das Deutschland« von 2020 hat er die Möglichkeiten des Schauerlichen auf der Bühne schon einmal untersucht. Wurde dort die bürgerliche Familie zur Assimilations-Hölle, ist das Setting seines neuen Stücks ein öffentlicher Ort: Ein trister Bahnhof oder eine verwaiste Innenstadt, in der sich ehemalige gesellschaftliche Gewissheiten in ein »hochkarätiges Koma der Hilflosigkeit« verwandelt haben. »In den Herzen spukt es. Es stimmt etwas nicht mehr. Dass alles schlimm ist und nichts mehr wird, wie es war, dass nichts schlimmer ist als jetzt, außer die Zukunft, die Gewissheit, dass die Welt auf die eine oder andere Weise untergehen wird, aber auf jeden Fall untergeht (!), dass die apokalyptische Laune die normale Laune geworden ist, dass die Haut so dünn ist, dass sie durchsichtig geworden ist. Made in Germany ist die Ingenieurskunst der Panik, hochwertige Beklemmung, deutsche Wertarbeit ist Angst.«

Bonn Park schreibt seine Theatertexte, während er in den Proben im engen Austausch mit den Schauspieler:innen steht und gemeinsam mit ihnen recherchiert und entwickelt. Die neue Arbeit für das Schauspiel Frankfurt entsteht wieder mit dem kongenialen Team aus Komponist Ben Roessler und Bühnen- und Kostümbildnerin Sina Manthey.

Regie Bonn Park  Bühne und Kostüme Sina Manthey Musik Ben Roessler Dramaturgie Katja Herlemann
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Eines langen Tages
Reise in die Nacht

von Eugene O’Neill
Regie: Max Lindemann

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Premiere: 3. Oktober 2026, Schauspielhaus


Ein Familienfoto: James Tyrone, der Vater, einst ein erfolgreicher Schauspieler. Neben ihm Mary, seine Frau, versunken, ihr Lächeln fast unsichtbar. Die Söhne: Jamie, der Ältere, selbstbewusst und anscheinend lässig; Edmund, der Jüngere, nachdenklich, etwas blass, beobachtend. Das Licht ist weich. Ein nebliger Tag im August. Eine Momentaufnahme.

Nicht im Bild: James’ von Angst getriebener Egoismus und Geiz, Marys Abhängigkeit, Jamies Selbstzerstörung, Edmunds lebensbedrohliche Krankheit. Nicht im Bild: Die Gespräche und Wortgefechte, die sich wiederholen wie ein Ritual aus Vorwurf und Beschwichtigung, aus Nähe und Abwehr. Nicht im Bild: Die Zeit, die Stunde um Stunde tiefer in immer dieselben Konflikte führt. Die Nacht, die ihre Schatten vorauswirft.

Eugene O’Neill verarbeitet in seinem erst posthum uraufgeführten Drama die eigene Familiengeschichte und seine lebenslange Auseinandersetzung mit Schuld, Abhängigkeit und Krankheit. Dabei schrieb er aber nicht nur autobiografisch, sondern rekonstruierte Erinnerung als Konfliktraum – also als subjektiv erlebte, immer wieder durchgespielte Vergangenheit. Max Lindemann (»Phädra, in Flammen«, »Süßer Vogel Jugend«) widmet sich in seinen Regiearbeiten bevorzugt den seelischen Tiefen, Schattenseiten und Obsessionen seiner Figuren.

Regie und Musik Max Lindemann Bühne Signe Raunkjær Holm Kostüme Cédric Mpaka Dramaturgie Jana Fritzsche
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»Verweile doch! Du bist so schön!« schreibt Goethe als Steilvorlage für unser Begegnungsformat, in dem zu ausgesuchten Inszenierungen Ensemble, Publikum und Expert:innen aus unterschiedlichen Disziplinen miteinander ins Gespräch kommen können, um die in der Inszenierung aufgeworfenen Themen diskursiv zu beleuchten. Foyer Kammerspiele
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Ensemble, Band und Special Guests setzen das erfolgreiche Musikformat mit schrägen Story- und Hooklines fort. Im »Liedschatten« mischen sich weiterhin Pop mit Chanson, Experimentelles mit Punk, Trash mit Romantischem.

Kammerspiele
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Kleiner Mann
– was nun?

nach Hans Fallada
Regie: Luise Voigt

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Premiere: 30. Oktober 2026, Schauspielhaus


Massenarbeitslosigkeit, Inflation, erstarkender Faschismus – Die Zeiten stehen denkbar schlecht für Nachwuchs, als Johannes Pinneberg und Emma Mörschel, genannt Lämmchen, erfahren, dass sie gemeinsam ein Kind bekommen. Trotz Weltwirtschaftskrise heiratet das Paar kurzentschlossen, doch das kleine private Glück wird bald auf die Probe gestellt, als Pinneberg seine Arbeitsstelle verliert. Die beiden ziehen zu Pinnebergs Mutter nach Berlin, wo er eine neue Anstellung als Warenhausverkäufer bekommt. Leistungsdruck, Demütigungen und tyrannische Chefs nimmt Pinneberg in Kauf, um nicht erneut in die Arbeitslosigkeit abzurutschen. Nur dank Lämmchen verliert Pinneberg nicht völlig den Halt. Unerschütterlich ist ihr Glaube an die Liebe, ungebrochen ihre Lebenskraft – auch wenn die Abwärtsspirale sich unaufhaltsam dreht.

Die Armut der Massen auf der einen, der Luxus und die Vergnügungssucht einiger Weniger auf der anderen Seite. Ein Staat in einer existenziellen wirtschaftlichen und politischen Krise als Nährboden für Demagogen und verbrecherische Opportunisten. Ein erbarmungsloser Verteilungskampf um die letzten Krümel zwischen den Verlierern dieses Systems. Knapp hundert Jahre nach dem Erscheinen von Falladas Roman interessiert sich die Regisseurin Luise Voigt bei ihrer Adaption des Stoffs dezidiert für die Parallelen zur Gegenwart: Erneut driftet die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander, die wirtschaftliche und politische Lage spitzt sich derweil zu und radikale und populistische Positionen gewinnen immer breiteren Zuspruch.

Luise Voigt ist als Regisseurin für ihre außergewöhnlich starken inhaltlichen und ästhetischen Zugriffe bekannt. Nachdem sie in den Kammerspielen zuletzt Björn SC Deigners Drama »So langsam, so leise« zur Uraufführung gebracht hat, kehrt sie mit Falladas Klassiker »Kleiner Mann – was nun?« ans Schauspiel Frankfurt zurück.

Regie Luise Voigt Bühne Natascha von Steiger Kostüme Maria Strauch Musik Björn SC Deigner Video Stefan Bischoff Dramaturgie Lukas Schmelmer
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NOV

Premiere: 22. November 2026, Schauspielhaus


Die kleine Hexe ist erst 127 Jahre alt, also in Hexenjahren gerechnet praktisch noch ein Küken. Jedenfalls ist sie viel zu jung, um auf dem Blocksberg zusammen mit den großen Hexen zu tanzen. Natürlich macht sie es doch – und leider wird sie dabei erwischt. Zur Strafe wird ihr der Besen abgenommen, so dass sie nicht mehr fliegen kann. Die Oberhexe gibt ihr ein Jahr Zeit, um zu beweisen, dass sie eine »gute Hexe« sein kann. Aber was ist das genau, eine »gute Hexe«? Zum Glück steht der kleinen Hexe ihr kluger Rabe Abraxas mit Rat und Tat zur Seite (na gut, vielleicht etwas mehr »Rat« als »Tat«). Als erstes muss ein neuer Besen her, denn eine Hexe zu Fuß – das gehört sich einfach nicht. Dann gilt es, die übellaunige Muhme Rumpumpel abzuschütteln, die der kleinen Hexe hinterherspioniert und sie am liebsten noch viel schlimmer bestraft hätte. Und dann: hinein ins Abenteuer! Auf ihrer Reise durch das Jahr begegnen der kleinen Hexe und ihrem Raben Herausforderungen, die Mut, Einfallsreichtum und ein großes Herz erfordern.

Otfried Preußler erzählt mit feinem Humor und lebendiger Fantasie von Abenteuer, Verantwortung und dem Wert guter Taten – eine zeitlose Geschichte, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen verzaubert.

Regie Henner Kallmeyer Bühne Lydia Merkel Kostüme Silke Rekort Musik Sebastian Maier Dramaturgie Alexander Leiffheidt
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DEZ
Projekte, Neue Dramatik,
Performance

Box
Details
Die BOX am Schauspiel Frankfurt ist ein Ort für Experimente, ungewöhnliche Begegnungen und neue Erfahrungen. So nah wie hier kommen Sie den Spieler:innen des Ensembles sonst nie. Hier werden Regiedebüts gefeiert, neue Formate erprobt und andere Wege eingeschlagen. 
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JAN

Premiere 15. Januar 2027, Kammerspiele


Was macht den Menschen aus? Vernunft, Freiheit, Moral, Empathie und Gemeinschaft, Kultur und Geschichte, die Frage nach dem Sinn, das denkende Ich? Was bleibt von alledem, wenn es nur noch um eines geht – um das nackte Überleben? Bleibt überhaupt irgendetwas? Oder werden wir wieder zu intelligenten Tieren, die starren Blickes alles Schwächere töten, um nicht selbst zu unterliegen? Ist das Menschliche ein Luxus, ein schöner Traum aus friedlichen Zeiten?

Ágota Kristófs weltberühmter Roman schildert das Leben zweier Kinder im Krieg. Da die große Stadt zerbombt ist, bringt die Mutter die Zwillinge bei der Großmutter auf dem Land unter. Das harte Leben bei der alten Frau übertreffen die beiden rasch durch ihre »Abhärtungsübungen«, mit denen sie sich alles abgewöhnen, das sie verletzlich macht. In sachlicher, scheinbar ungerührter Sprache schildert Kristóf die Schrecken, die die Kinder durchleben: Perversion, Vergewaltigung, Tod, Verstümmelung, namenlose Gewalt. Dabei protokolliert der Roman weniger ein schockhaftes Aussetzen von Moral als vielmehr eine systematische, schrittweise Entleerung: Ein verstörendes, schonungsloses Plädoyer gegen den Krieg von erschütternder Aktualität.

Die österreichische Theatermacherin Sara Ostertag arbeitet an der Schnittstelle von Schauspiel, Choreografie und Performance und ist bekannt für ihre tänzerisch geprägten, bilderreichen Inszenierungen. Bereits zwei Mal gewann sie den Nestroy-Theaterpreis; seit 2025 leitet sie außerdem das Wiener »TEATA in der Gumpendorfer«. Mit »Das große Heft« führt sie zum ersten Mal in Frankfurt Regie.

Regie Sara Ostertag Bühne Nanna Neudeck Kostüme Prisca Baumann Musik Mira Lu Kovacs Choreografie Andressa Miyazato Dramaturgie Alexander Leiffheidt
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Premiere: 16. Januar 2027, Schauspielhaus


»Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.« Der Einblick in das sich daran anschließende Verfahren, der Sinn des Prozesses wird K. bis zum Ende verborgen bleiben. Im Gegenteil – je mehr er versucht, seine Unschuld zu beteuern, umso mehr scheint er sich in einem Wirrwarr von nicht zu durchschauenden Gesetzen zu befinden. Die Zeit spielt dabei gegen ihn, geradezu so, als würde jeder neue Versuch der Klärung zu einem Vielfachen von Unklarheit führen.

Kafkas erster Roman von 1925 wurde häufig als Ahnung oder gar als Vorwegnahme der historischen Ereignisse gelesen. So sah etwa Theodor W. Adorno darin eine Präfiguration der Totalitarismen des 20. Jahrhunderts. Von seiner Brisanz hat Kafkas Text heute nichts verloren. In einer Zeit, in der die Vereinfachung von Diskursen, die Zuspitzung ohne Beweise und der Vormarsch der Rechtspopulisten in Europa und den USA uns täglich beschäftigen, klingen Kafkas Worte aktueller denn je.

Johanna Wehner, die für ihre vielstimmigen Romanbearbeitungen auch hier in Frankfurt bekannt ist, wird den Text in einer eigenen, sprachmusikalischen Fassung auf die Bühne bringen. Am Schauspiel Frankfurt war in ihrer Regie u.a. »Dracula«, »Hiob« und zuletzt eine Bearbeitung von Thomas Manns Roman »Buddenbrooks« zu erleben.

Regie Johanna Wehner Bühne Daniel Wollenzin Kostüme Ellen Hofmann Dramaturgie Katrin Spira
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FEB

Uraufführung

Premiere: 5. Februar 2027, Kammerspiele


Beim Wort »Widerstand« scheinen zumeist Lebensgeschichten und Legenden von Menschen auf, die sich in oft lebensgefährlichen, heimlichen Aktionen den herrschenden diktatorischen Mächten entgegenstemmten. In der Zeit ihres Wirkens oft verachtet und verfolgt, gelten sie im Rückblick als Vorbilder und moralische Instanzen für die nachfolgenden Generationen.

Wie und wogegen leisten junge Menschen im Hier und Jetzt Widerstand? Wann braucht es Widerstand im Alltag, gerade auch in einer Demokratie? Die Frage, was gerecht ist, bietet Jugendlichen Orientierung wie auch Anlass zu Enttäuschung und Wut. Wogegen widerstehen sie heimlich, still und leise und wann werden sie laut? Welche Vorstellungen von einem guten Zusammenleben treiben sie an? Wann entsteht aus erfahrenen Ungerechtigkeiten die innere Notwendigkeit, zu handeln?

Konzept und Regie Martina Droste Bühne und Kostüme Michaela Kratzer Musik Max Mahlert Choreinstudierung Christina Lutz
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Premiere 26. Februar 2027, Kammerspiele


Eine namenlose Schriftstellerin ist plötzlich Teil einer Theatergruppe, die dem ungeklärten Verschwinden zweier Holländerinnen im Dschungel Panamas auf den Grund geht. Während ein Theatermacher den Fall zum Stoff seines nächsten Projekts machen will, zeigt sich bald, dass es sich um viel mehr als eine kriminologische Aufarbeitung handelt. Tatsächlich stößt die Schriftstellerin bei dem Versuch, den erlebten Horror sprachlich festzuhalten, an die Grenzen des Sagbaren.

In ihrem mit dem Deutschen Buchpreis 2025 ausgezeichneten Roman verwebt Autorin Dorothee Elmiger mehrere Erzählebenen auf höchst virtuose Weise miteinander. Eine Lesung, in der die Protagonistin Aufzeichnungen über ihre experimentelle Reise vorträgt, bildet die Rahmenhandlung. In poetisch verdichteter Sprache führt sie ihre Zuhörerschaft durch ein Wurzelgeflecht aus Anekdoten, vermeintlichen Nebenerzählungen und Abschweifungen. Genauso wie die Schriftstellerin sich ihrerseits ihren Weg durch den verästelten Wald bahnen musste, um schließlich festzustellen, »dass es hier keine Pointe geben, dass die ganze Geschichte auf keine Auflösung, kein Ende zulaufen würde.«

Sebastian Schug ist bekannt für seine sinnlich-klugen Bearbeitungen außergewöhnlicher Stoffe. Nach seinen Inszenierungen »Liberté oh no no no« und »Szenen einer Ehe« kehrt er zurück ans Schauspiel Frankfurt und widmet sich Elmigers sprachgewaltigem Werk.

Regie Sebastian Schug Bühne und Kostüme Viktor Reim Musik Thorsten Drücker Dramaturgie Jana Fritzsche
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MÄR

Premiere: 12. März 2027, Schauspielhaus


Der brave Bürger und Fabrikant Gottlieb Biedermann wettert am Stammtisch heftig gegen immer häufiger stattfindende Brandstiftungen. Doch als sich ein unangenehmer Typ bei ihm einquartiert und später auch noch seine seltsamen Freunde auftauchen, weigert er sich standhaft, die offensichtliche Wahrheit zu sehen. Entgegen den Ängsten seiner Frau und den Warnungen seiner Umgebung behauptet er, die Situation richtig einzuschätzen und Herr der Lage zu sein. Er offenbart biedermännische Wehrlosigkeit gegenüber Verbrechern, die von Anfang an sagen, was sie wirklich wollen. Doch gerade weil die Gefahr faktisch so unübersehbar und das Ende absehbar ist, kann sich diese irrwitzige Parabel von Max Frisch so virtuos und tragikomisch entfalten: bis hin zum bitteren Ende, wenn Biedermann, bloß um dem Vorwurf des Misstrauens zu entgehen, den Brandstiftern auch noch die Streichhölzer überlässt, mit denen sie sowohl sein Haus als auch die gesamte Nachbarschaft anzünden.

Max Frischs 1958 uraufgeführtes Stück entlarvt präzise eine Geisteshaltung, die der Technik des Totalitären zum Erfolg verhilft. Es ist ein Aufruf, aktiv zu handeln und die Zeichen der Zeit zu erkennen, bevor es zu spät ist.

Die Regisseurin Sapir Heller hat schon mit ihren bisherigen Inszenierungen in Frankfurt »Die verlorene Ehre der Katharina Blum« und »Dingens« ihr großes Interesse für politische Stoffe und groteske Komödien bewiesen.

Regie Sapir Heller Bühne Valentina Pino Reyes Kostüme Slavna Martinovic
Musik Juri Kannheiser Dramaturgie Katja Herlemann
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Wiederaufnahme: 25. März 2027, Schauspielhaus


Es war eines der wichtigsten Tanzereignisse im Jahr 2025: William Forsythe entwickelte am Ort seines langjährigen Schaffens eine neue Choreografie für das gegenwärtige Ensemble – seine letzte Bühnenarbeit, wie er selbst sagte. Der Doppelabend kontrastiert Forsythes Präzision mit dem spielerischen Überschwang des ebenfalls neu entwickelten Stücks von Thomas Hauert. Im Frühjahr 2027 kann man die Kombination noch einmal auf der Bühne des Schauspiel Frankfurt erleben.

UNDERTAINMENT
von William Forsythe William Forsythe gilt zurecht als einer der wichtigsten Choreografen des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Sein innovativer Umgang mit der Tradition des Balletts hat dem Tanz Richtungen eröffnet, die sonst schwer vorstellbar schienen. Von 1984 bis 2004 leitete Forsythe das Ballett Frankfurt und von 2005 bis 2015 The Forsythe Company. Später wurde diese in Dresden Frankfurt Dance Company umbenannt. Am Ende seiner Karriere kehrte Forsythe nun an den Ort seines langjährigen Schaffens zurück und entwickelte für das neue Ensemble der Company eine letzte Bühnenarbeit. Darin erschafft er ausgehend von einem improvisatorischen Baukasten eine strukturelle Ordnung, die anstatt für etwas anderes zu stehen, aus sich selbst heraus einen ästhetischen Genuss anbietet. Wie in einem Kaleidoskop bilden sich Muster, die innerhalb eines klaren Rahmens immer wieder unvorhersehbar und überraschend sind. Die Tänzer:innen erkunden das Bewegungssystem, das sie selbst bilden, bis an seine Grenzen. Das Publikum ist eingeladen, dieser Erforschung zu folgen und das Werk als lebendiges, atmendes System zu erleben.

PLAYING WITH SERGEI, MARTHA AND THE OTHERS
von Thomas Hauert Das dritte Klavierkonzert von Sergei Rachmaninoff gilt als besondere Herausforderung für Pianist:innen. Jenseits der technischen Virtuosität, die gewiss auch einen Anteil an seinem Reiz ausmacht, ist die Musik geprägt von einer außerordentlichen emotionalen Komplexität. Thomas Hauert bringt in seiner Arbeit für die DFDC das Konzert in der Aufnahme mit Martha Argerich von 1982 auf die Bühne. Das Ensemble taucht in die Musik ein und tritt mit ihr in einen spielerischen Dialog. Die Tänzer:innen interpretieren die Musik aus ihrer subjektiven Wahrnehmung heraus mit ihren Körpern und interagieren mit dem Rhythmus, der Dynamik und den emotionalen Kontrasten. Zugleich reagieren sie in einem komplexen Geflecht aufeinander. Aus der Arbeit mit seiner eigenen Company ZOO bringt Hauert in über 25 Jahren entwickelte Prinzipien und Spielregeln für Improvisation mit, die weniger auf Kontrolle als auf die kollektive Intelligenz aller setzen. Diese Arbeitsweise steht in einem interessanten Spannungsverhältnis zu Rachmaninoff. Während dieser als beispielhafte Schöpferfigur, die gewissermaßen über den Dingen schwebt, den Musiker:innen, inkl. der Solistin, auf autoritäre Weise enge Vorschriften macht, grenzt sich Hauerts Praxis von einem so überhöhten Geniebegriff zugunsten eines radikal kollaborativen Schöpfungsprozesses ab. Der Tanz begreift die Musik nicht als Kommando, sondern nutzt sie als Anregung, als Spielplatz, ja als Gegenüber eines immer wieder neuen, überraschenden Dialogs.

Choreografie William Forsythe, Thomas Hauert Mit Tänzer:innen der Dresden Frankfurt Dance Company
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APR

Premiere: 16. April 2027, Kammerspiele


»WHAT THE FUCK, schluchze ich, wische mir die kotze vom mund. DAS KANN DOCH NICHT WAHR SEIN«. Eine unerwartete SMS bringt alles aus dem Gleichgewicht. Nach über zehn Jahren Funkstille meldet sich aus dem Nichts ihre alte Lehrerin Ute bei Ari. Die Protagonistin blickt zurück auf ihre Schulzeit, die sie irgendwo in der westdeutschen Provinz verbracht hat. Als sie etwa 14 Jahre ist, lernt Ari eine Lehrerin kennen, die sie bis zum Abitur begleitet, und noch mehr: Ute leiht ihr Bücher, empfiehlt ihr Musik, schenkt ihr Theatertickets und lädt sie zu sich nach Hause ein. Nun, Ende zwanzig, beginnt Ari im Kreis ihrer Freund:innen und in Gesprächen mit Ute, ihre Erinnerungen aufzuarbeiten und die schwerwiegende Frage zuzulassen: War das, was mir damals passiert ist, Missbrauch? Eine schonungslose Selbstbefragung über Begehren, Erinnerung und queere Gewalt beginnt.

Der Gewinnertext des Retzhofer Dramapreises 2025 ist ein witziges, schnelles wie brisantes Drama zum Thema Machtmissbrauch bzw. Gewalt in queeren Beziehungen. lynn t musiol überrascht mit einem Figurenarsenal von größter Unverkennbarkeit, Direktheit und Unverfrorenheit. Das Stück ist der Versuch, das Unbequeme und Widersprüchliche mit Wucht und Tempo sag- und fühlbar zu machen.

Marlon Otte brachte in der Spielzeit 2025/26 am Schauspiel Frankfurt den Roman »Hasenprosa« von Maren Kames in der BOX zur Uraufführung, zudem übernahm er die szenische Einrichtung für die Produktion »Cold Case: Gretchen brennt« in den Kammerspielen. In der Spielzeit 2026/27 kehrt er mit der Inszenierung von »Lecken 3000« als Regisseur in die Kammerspiele zurück.

Regie Marlon Otte Bühne Anaïs Buzduga Kostüme Evelyn Gulbinski Musik Lennard Clément Dramaturgie Lukas Schmelmer
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Uraufführung

Premiere: 17. April 2027, Schauspielhaus


»Letztlich ist ›Frankenstein‹ ein Stoff über die Geworfenheit jeglicher Geschöpfe – das Monster stellt sich da gleich neben den Menschen, der es erschaffen hat. Denn auch der Mensch ist ein Geschöpf, das ohne eigenes Zutun in die Existenz entlassen wurde und das nun sehen muss, was es damit macht, wie es zurechtkommt. Das neue Geschöpf, jetzt, hier – ich stelle es mir vor als Designbaby, entwerfe es selbst als solches, als strahlendes, wunderschönes Kind in ewigen Zeiten der immer neuen Hybris, aus dem unendlichen Katalog von seinen reichen, optimiersüchtigen Eltern zur Vollendung ihres Daseins ins Leben gebracht. Die außen perfekte Kreatur aber kann und will diese Rolle nicht erfüllen. Etwas im Inneren stimmt nicht, und das (aber ist es das wirklich?) Mädchen, von allen bewundert und begehrt, zerschlägt auf dem Weg zur Frau die gängigen Oberflächen, Filter und Klischees und geht schließlich, Schritt für Schritt, in die brutale Revolte.

Etwas ist unvollständig, etwas ist ganz und gar schiefgegangen. Mit dieser Schuld müssen die Beteiligten leben, die Eltern, das Designunternehmen – und das Kind, die Kreatur, das Monster selbst. Ein Stück soll es also werden über Machbarkeit, Bindungslosigkeit und Schuld. Und das Schreckliche der Schönheit.« (Thomas Melle)

Die Regisseurin Lilja Rupprecht und den Autor Thomas Melle verbindet eine jahrelange Zusammenarbeit. Für das Schauspiel Frankfurt bearbeitet Melle den Stoff der englischen Romantik neu. Rupprecht ist dem Frankfurter Publikum bereits bestens bekannt, sie inszeniert hier zum sechsten Mal. Zuletzt war in ihrer Regie Jelineks »Sonne/Luft«, Fassbinders »Die Ehe der Maria Braun« sowie E.T.A. Hoffmanns »Der Sandmann« zu sehen.

Regie Lilja Rupprecht Bühne Christina Schmitt Kostüme Annelies Vanlaere Video Moritz Grewenig Dramaturgie Katrin Spira
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MAI

Premiere: 21. Mai 2027, Kammerspiele


»Der Krieg ist der Vater aller Dinge«, sagt der namenlose junge Soldat, der nach jahrelanger Arbeitslosigkeit glaubt, beim Militär eine Zukunftsperspektive und Verbundenheit zu finden. Er überantwortet sich einer menschenfeindlichen Ideologie, in der der einzelne Mensch keinen Wert hat. Auf Befehl verübt seine Truppe Kriegsverbrechen bei militärischen Operationen, deren Ziel ihm unklar ist. Den Hauptmann seiner Truppe idealisiert der junge Mann als Vaterfigur, der er sich bedingungslos anvertraut, während er seinen biologischen Vater als schwach und undiszipliniert ablehnt.

Erst als der idealisierte Hauptmann überraschend zu Tode kommt und der junge Soldat durch die Begegnung mit einer Frau ein zärtliches Gefühl in sich aufkeimen lässt, gerät sein geschlossenes Weltbild ins Wanken. Aber wie kann er wirksam werden, wenn nicht durch Gewalt? Der letzte Roman des österreichisch-ungarischen Schriftstellers Ödön von Horváth spielt während einer Diktatur und zwischen zwei Kriegen. Er ist seine heftige Kritik an der empathielosen faschistischen Gesellschaft und dem Horror des Krieges.

Die Regisseurin Barbara Bürk arbeitet regelmäßig am Schauspiel Frankfurt und entwickelt häufig aus literarischen Vorlagen intime musikalische Inszenierungen, wie bereits mit »Nach Mitternacht« von Irmgard Keun.

Regie Barbara Bürk Bühne und Kostüme Anke Grot Musik Manuel Loos Dramaturgie Katja Herlemann
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Tod eines
Handlungsreisenden

von Arthur Miller
Regie: Adrian Figueroa

Details

Premiere: 22. Mai 2027, Schauspielhaus


Willy Loman ist am Ende. 63 Jahre alt, seit über 34 Jahren unterwegs als Vertreter. Und jetzt: keine Abschlüsse mehr. Die alten Kunden sind in Rente oder tot, das Geld ist knapp, das Haus noch immer nicht abbezahlt. Was ist geblieben von seinen Hoffnungen, seiner Kraft, seinem Stolz auf die Söhne, denen einst immer alles zuzufallen schien? Warum steht er jetzt hier – mit nichts? Doch er wird nicht aufgeben. Er wird seine Söhne, die beide zu scheitern drohen, nicht fallen lassen. Er wird seine Frau Linda stolz machen – endlich, nach all den Jahren. Ein Loman gibt niemals auf. Denn »ein Handlungsreisender muss träumen können. Er hat sonst nichts. Das ist eben das Geschäft.«

»Das Stück entstand aus einfachen Bildern«, erklärte Arthur Miller 1957 in einem Essay. »Vor allem geht es um das Bild eines Verlangens, etwas auf dieser Welt zu hinterlassen. Ein Verlangen nach Unsterblichkeit, und zugleich das Eingeständnis, dass man mit viel Mühe seinen Namen auf einen Kuchen aus Eis an einem heißen Julitag geschrieben hat.« In scharfen Schnitten durch Zeit und Bewusstsein entfaltet Miller das Porträt eines modernen Jedermann, gefangen im verzweifelten Kampf gegen sich selbst und ein System, das Erfolg fordert und Menschlichkeit verschleißt.

Der Filmemacher und Theaterregisseur Adrian Figueroa ist für seine dynamische, klar strukturierte Bildsprache und sein präzises theatrales Erzählen bekannt. Seine Kurzfilme und Inszenierungen sind bereits vielfach, auch international, ausgezeichnet und zu Festivals eingeladen worden. Mit dieser Arbeit stellt er sich erstmals in Frankfurt vor.

Regie Adrian Figueroa Bühne Irina Schicketanz Kostüme Malena Modéer Musik Ketan Bhatti Dramaturgie Alexander Leiffheidt
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JUN

Premiere: 4. Dezember 2026, Kammerspiele


Kamil träumt von einer Karriere als Rapper, wohnt aber noch bei seiner Mutter in der Plattenbausiedlung und hält sich mühsam mit kleinkriminellen Deals über Wasser. Iwona und Maciej genießen vermeintlich ein Leben im Wohlstand, sind einander aber völlig entfremdet und betäuben ihre Angst und Sprachlosigkeit mit Waren-, Sex- und Drogenkonsum.

Dorota Masłowska hat für ihren Roman einen hochmusikalischen Sound entwickelt, der jugendlichen Slang, Anleihen an Rap-Lyrik und ständige Wechsel zwischen Orten, Zeit und Erzählperspektive zu einem rhythmischen, atemlosen Erzählen komponiert. Es entsteht ein Kaleidoskop aus Begierde, Einsamkeit und Wut, in dem die Warschauer Unter- und Oberschicht aufeinandertreffen. Alle Figuren kämpfen mit Identitätsverlust, Einsamkeit und der Suche nach einem Platz in einer zerrütteten Welt und repräsentieren dabei unterschiedliche Facetten einer Gesellschaft, in der die Schere zwischen Arm und Reich weit auseinanderklafft. Die Inszenierung interessiert sich für die zarten Hoffnungen der Figuren, ihre Träume und Realitätserfahrungen.

Dennis Duszczak war Regieassistent am Schauspielhaus Bochum, studierte Regie an der HfMDK in Frankfurt und inszeniert nach Einladungen zum Festival »Radikal jung« und zum Heidelberger Stückemarkt zum ersten Mal am Schauspiel Frankfurt. Er interessiert sich für ein Theater, das sich radikal der Gegenwart stellt – präzise, poetisch und unbequem.

Regie Dennis Duszczak Bühne Thilo Ullrich Kostüme Frederike Marsha Coors Video Philipp Haupt Dramaturgie Katja Herlemann
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Ein neues Projekt
am besonderen Spielort

von Martina Droste und Anina Engelhardt
Details

Uraufführung

Premiere und Ort werden noch bekannt gegeben.
Wir sehen, was wir kennen. Die Entdeckungsreise beginnt mit dem zweiten Blick. Jugendliche Performer:innen machen sich auf den Weg zu Orten der Geschichte in Frankfurt, die davon erzählen können, was zählt.

Das Junge Schauspiel erarbeitet in jeder Spielzeit eine Performance für einen öffentlichen Ort außerhalb des Theaters. Ausstellungen im Historischen Museum Frankfurt, dem Weltkulturen Museum, dem Jüdischen Museum, dem Deutschen Exilarchiv 1933-1945 in der Deutschen Nationalbibliothek, dem Museum für Moderne Kunst und dem Deutschen Architekturmuseum boten in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Inhalten, Reibungsflächen und künstlerische Impulse für immer neue inklusive Jugendensembles. Entstanden sind bewegende Performances zu aktuellen Themen aus den Perspektiven der Jugendlichen.
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Premiere: 13. Februar 2027, Schauspielhaus


»…Mein Vater ist verblichen. Komm, Gaveston, und teil das Königreich mit deinem liebsten Freund.« Was wiegt schwerer: Die Last eines Reiches oder das Verlangen eines einzelnen Herzens? In einer Welt, die von starren Traditionen und der unerbittlichen Kälte des Hofes regiert wird, wagt ein Mann den ultimativen Tabubruch. König Edward weigert sich, die steinerne Maske zu tragen, die sein Amt ihm auferlegt. Er entscheidet sich gegen das Kalkül der Macht und für die bedingungslose Nähe zu Gaveston – einem Mann, der für das politische Establishment die personifizierte Provokation darstellt.

Es ist weit mehr als eine Affäre; es ist ein radikaler Entwurf von Identität. Während der Adel den Untergang der staatlichen Ordnung fürchtet, verteidigt Edward sein Recht auf ein privates Glück, das in den Augen der Öffentlichkeit ein Staatsverbrechen ist. Doch der Preis für diese Ehrlichkeit ist blutig. In diesem düsteren Epos verschwimmen die Grenzen zwischen politischem Verrat und persönlicher Tragik. Ein packendes Porträt über den einsamen Kampf eines Individuums gegen ein System, das keine Abweichung duldet und wahres Begehren mit dem Untergang bestraft.

Regisseur Ran Chai Bar-zvi begegnet in seinen bildstarken Inszenierungen auch existenziellen Stoffen stets mit einer großen Leichtigkeit, ohne dabei deren ernsten Kern zu verharmlosen. Nach seiner Erfolgsinszenierung »Das Bildnis des Dorian Gray« kehrt er mit dem Klassiker von Marlowe ans Schauspiel Frankfurt zurück.

Regie Ran Chai Bar-zvi Bühne Ansgar Prüwer Kostüme Belle Santos Dramaturgie Lukas Schmelmer
zur Schauspiel Frankfurt Webseite
JUL
Über die Spielzeit
DORIAN, DOROTHY UND DAS GRAY DES REGENBOGENS
(Unchronologischer Gossip)
von Marcus Peter Tesch
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The Picture of Dorian Gray wird 1890 erstmals veröffentlicht. Der einzige Roman des britischen Dandys Oscar Wilde erscheint eingekürzt auf Novellenlänge in Lippincott's Monthly Magazine, einer US-amerikanischen Literaturzeitschrift mit Sitz in Philadelphia. Die Geschichte eines jungen Manns der Londoner Oberschicht, der über Leichen geht, um das Geheimnis seiner unveränderlichen Schönheit verborgen zu halten, ist eine Mischung aus bitterbösem Diskursstück auf das Motiv der ewigen Jugend und campem Schauermärchen: Anstatt seiner selbst altert Dorian Grays Portrait, versteckt vor den Augen der Welt in seinem ehemaligen Kinderzimmer.

Ausgehend von dieser Setzung führt Oscar Wilde ein von Eitelkeit getriebenes Milieu vor, das jegliche Scham und alle Schuldgefühle aufgrund seines dekadenten Lebensstils in einen selbstzerstörerischen Hedonismus sublimiert hat. Und so interessiert sich die Personnage in The Picture of Dorian Gray weder für das Elend der Unterschicht noch für den Ursprung ihres Reichtums. Sie begeistert sich einzig für Tratsch, geistvolle Lästereien und die Wahrung eines makellosen, äusseren Scheins: Das Ideal der glatten Oberfläche, des unbescholtenen Äußeren ist längst an die Stelle einer inneren, moralischen Aufrichtigkeit getreten … Provoziert ist die bürgerliche Leserschaft des ausgehenden viktorianischen Zeitalters dann allerdings eher von den zahlreichen, mal mehr, mal weniger subtilen homoerotischen Anspielungen als von der dem Text innewohnenden, schmerzhaft zynischen Gesellschaftskritik.

1902 wird bei der ersten Übersetzung ins Deutsche aus dem Picture ein Bildnis und es kommt zum bis heute unveränderten Titel: Das Bildnis des Dorian Gray. Der Nachname Gray wird zwar nicht übersetzt, könnte aber eine Anspielung auf den Farbton sein, der sich aus der Mischung von Schwarz und Weiß ergibt: Grau. Dorian Gray hätte uns also theoretisch auch als Dorian Grau bekannt werden können.

Obwohl – ist Grau überhaupt eine Farbe? Oder ist Grau nicht eher das Gegenteil einer Farbe, das Gegenteil aller Farben? Ist Grau das Gegenteil von allem Bunten? Ist alles, was nicht bunt ist, automatisch grau? Ist Grau eine Nichtfarbe?

Picture würde man heute wahrscheinlich mit dem Wort Foto übersetzen. Und nicht mit Bildnis, Gemälde, Bild oder Abbild, auch wenn das etymologisch näher läge. So sagt man im Englischen beispielsweise She took a picture und meint damit Sie hat ein Foto gemacht und eben nicht, wörtlich übersetzt, Sie hat sich ein Foto genommen und auch nicht, falsch übertragen, Sie hat sich ein Bild gemacht.

Wann wird das Picture zum Foto? Und warum ist das Bildnis kein Painting?
Ist Grau überhaupt eine Farbe? Oder ist Grau nicht eher das Gegenteil einer Farbe, das Gegenteil aller Farben?
Heidi Klum wiederholt seit über zwanzig Jahren den Satz Ich habe heute leider kein Foto für dich, was allerdings nichts macht, weil jemand anders hat ganz sicher ein Foto für dich: Auf die nur noch von progressiven Boomern oder rückschrittlichen Millenials genutzte Plattform Instagram (alle anderen nutzen Tiktok oder sind tot) werden pro Stunde ca. vier Millionen und pro Tag ca. 95 Millionen ziemlich farbenfrohe Pictures hochgeladen, Stand April 2025. Wenn ich Picture sage, höre ich

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und das klingt für mich ein bisschen wie das Geräusch, das eine analoge Kamera macht, wenn man auf den Auslöser klickt, was wiederum das Geräusch ist, das eine Handykamera nachahmt, wenn man mit dem Daumen auf den digitalen Fotoknopf tappt:

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1945 kommt die bereits vierte Filmadaption von The Picture of Dorian Gray ins Kino. Und zwar mit der jungen Angela Lansbury in einer der Hauptrollen. Kids der 1990er erinnern sich an sie evtl. noch als mordfallösende Oma und Krimiautorin in der Serie Mord ist ihr Hobby auf SuperRTL, was eine fragwürdige Übersetzung des Originaltitels Murder she wrote ist, macht sie doch aus dem Beruf der Protagonistin eine Freizeitbeschäftigung.

Für mich persönlich gehört Angela Lansbury mit ihrem nahbaren und dennoch großbürgerlichen Charme, ihrer uneitlen, ja … Angela Lansburyhaftigkeit in die gleiche Reihe leicht skurriler Filmdiven wie Meryl Streep, Bette Midler oder Glenn Close, die ich schon immer bewundere – ich wäre gerne so schnippisch und schlagfertig, so wundervoll selbstironisch wie sie. Aber darum geht es jetzt nicht … Jedenfalls spielt die reale Schauspielerin Angela Lansbury im Film von 1945 die Rolle der fiktiven Schauspielerin Sibyl Vane. Und während Angela Lansbury ein langes Leben vergönnt ist (sie stirbt 2022 im Alter von 96 Jahren), begeht Sibyl Vane in der Romanvorlage wie im Film als junge Frau Selbstmord, als sie nach einer ersten Phase der Schwärmerei von Dorian Gray brutal abgewiesen wird.

Der komplette Film mit all den detailreich ausgestatteten Innenräumen, den wundervollen Gärten ist in Schwarzweiß aufgenommen – bis auf vier kurze Momente, in denen die Kamera auf das jedes Mal monströsere Portrait oder eben Bildnis, das also Picture des Dorian Gray, schwenkt: Sein sich zuletzt krümmender Körper, sein zu einer grauseligen, faltenzerfurchten Fratze schwammverzerrtes Gesicht sind in leuchtenden Farben dargestellt.

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Diese farbenfrohe Darstellung eines grauenvollen Alterungsprozesses ist möglich, weil das US-amerikanische Unternehmen Technicolor 1932 das sogenannte Dreistreifen-Verfahren entwickelt. Dabei wird das gleiche Bild separat auf drei Negativen in grün, blau und rot aufgenommen. Diese drei Negative werden dann in der Nachbearbeitung zu einem vollfarbigen Positiv zusammengefügt: einem Farbfilm. Das Display eines modernen Smartphones kann übrigens bis zu 17 Millionen verschiedene Farben darstellen, frage nicht wie.

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1939 kommt »Wizard of Oz« in die Kinos. Beruhend auf einem Kinderbuch von Lyman Frank Baum wird darin die Geschichte des Mädchens Dorothy, gespielt von Judy Garland, erzählt. Das Filmmusical wird oft als Meilenstein in Technicolor bezeichnet und spielt mit einem ganz ähnlichen Effekt wie die Dorian Gray - Verfilmung von 1945.

Bevor der Theatermacher, Schmierölproduzent, Hühnerfarmer und Kinderbuchautor Lyman Frank Baum 13 Fortsetzungsromane zum »Wizard of Oz« schreibt, ruft er 1890 in zwei Zeitungsartikeln zu einer finalen Beendigung der sogenannten Indian Wars auf. Als Indian Wars werden die, sich über mehrere Jahrhunderte ziehenden, kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen weissen Kolonisatoren und den verschiedenen indigenen Völkern Nordamerikas bezeichnet. Um diese Beendigung zu erreichen, spricht Baum sich öffentlichkeitswirksam für eine anihilation, also vollständige und endgültige Vernichtung der indigenen Bevölkerung aus.

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Obwohl Judy Garland zu Beginn der Dreharbeiten zum »Wizard of Oz« bereits 17 Jahre alt ist, wird sie anstatt des Kinderstars Shirley Temple für diese Rolle besetzt – man findet, sie wirke aufgrund ihrer Körpergröße von 1,50 Meter noch kindlich genug, um die Rolle einer Zwölfjährigen zu spielen.

Im »Wizard of Oz« geht’s also um die Geschichte des Mädchens Dorothy – obwohl man zugeben muss, dass es vor allem darum geht, wie hinreißend Judy Garland diese Rolle spielt. Die kleine Dorothy lebt auf einer tristen, ziemlich ärmlichen Farm in Kansas – und bis hierhin schauen wir einen Schwarzweißfilm. Dann wirbelt ein Tornado Dorothy mitsamt Haus und Hund weg aus Kansas und hinein in das Zauberland Oz. Dorothy tut ihren ersten Schritt dort und die Welt um sie herum wird schlagartig bunt: farbloser Realismus ist einer in allen Farben des Regenbogens leuchtenden, magisch-verträumten Kulissenlandschaft gewichen.

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Zweifellos verstanden zahlreiche Queers in den USA der 1950er und 1960er das Märchen der kleinen Dorothy als eine Metapher für ihr eigenes Leben.
Kansas ist ein landwirtschaftlich geprägter Staat im Mittleren Westen der USA. Er ist nach dem indigenen Volk der Kansa, Kanza, Konza, Kosa, Quans oder Kaw benannt. Kansa bedeutet möglicherweise Volk des Südwinds oder Wassermenschen, genau konnte ich das nicht herausfinden.

1983 stirbt Walter Kekahbah. Er war der letzte Mensch, der fließend Kansa, so heißt die Sprache der einst auf dem Gebiet des heutigen Kansas lebenden, indigenen Bevölkerung, sprechen konnte.

Nachdem Dorothy sich mit einer Vogelscheuche, einem Blechroboter und einem Löwen angefreundet hat, mit fliegenden Affen kämpft, eine Hexe zum Schmelzen bringt und in die futuristische Smaragdstadt einzieht, kehrt sie zurück in ihre Heimat. Dort ist es farblos wie eh und je: In Kansas herrschen die Grautöne der amerikanischen Wirtschaftskrise, auf die der Film durchaus auch anspielt. Umgeben von Armut und unbunter Trostlosigkeit sagt Dorothy den Satz

Home sweet Home, there´s no place like home.

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Judy Garland wird mit dem Titelsong des Films Over the Rainbow und ihrer Verkörperung der Dorothy zu einer Ikone der amerikanischen queeren Community, vor allem schwule Männer verehren sie. Mit der Frage Are you a friend of Dorothy? versucht man in den 1950ern eher herauszufinden, ob das Gegenüber ebenfalls schwul – und weniger, ob der andere tatsächlich mit irgendeiner ominösen Dorothy befreundet ist. Soweit jedenfalls die Legende …

Zweifellos verstanden zahlreiche Queers in den USA der 1950er und 1960er das Märchen der kleinen Dorothy als eine Metapher für ihr eigenes Leben – hatten viele von ihnen doch ebenfalls ihre Heimat in der mittelamerikanischen Provinz verlassen um in New York oder San Francisco in einer liberalen und toleranteren Umgebung ihre Sexualität und ihre Identität freier auszuleben.

Am 22. Juni 1969 stirbt Judy Garland in London an einer vermutlich unabsichtlich eingenommenen Überdosis des Schlafmittels Secobarbital. Angeblich reisen über 13.000 schwule Männer aus den ganzen USA zu ihrer Beerdigung nach New York an. Und vielleicht ist es nur queere Folklore, aber anscheinend hat Judy Garlands Beisetzung am 27. Juni 1969 die Schwulen dermaßen in die Krise gestürzt, dass eine Nacht später und angeführt von Drag Queens, trans Frauen und Sexarbeiter:innen die legendären Stonewall Riots in der Christopher Street in New York ausbrechen: ein wütendes Aufbegehren gegen die Kriminalisierung von Homosexualität, repressive queerfeindliche Politik und die Brutalität staatlicher Institutionen im Umgang mit trans Menschen. Und nichts weniger als der Beginn der amerikanischen Lesben- und Schwulenbewegung.

Sicher ist, dass 74 Jahre zuvor, nämlich 1895 und auf der anderen Seite des Atlantiks, Oscar Wilde in das Zuchthaus in Reading gebracht wird. Er wird diesen Ort zwei Jahre später verlassen – körperlich wie psychisch von Zwangsarbeit zugrunde gerichtet, ökonomisch ruiniert und gesellschaftlich geächtet. Offizielle Begründung dieser Verurteilung wegen Unzucht sind seine zahlreichen Affären mit Sexarbeitern aus der Unterschicht, tatsächlicher Grund dürfte seine Beziehung zum sechzehn Jahre jüngeren Lord Alfred Douglas sein, einem Angehörigen des britischen Hochadels und vielleicht reales Vorbild für die fiktive Figur des Dorian Gray. Die Gerichtsprozesse gegen Wilde finden auch auf Bemühung von dessen Vater John Douglas, dem 9. Marquess of Queensberry, statt.

Im Gefängnis schreibt Wilde einen langen Brief an seinen jahrelangen Lover Lord Douglas, den er für seine Misere verantwortlich macht, ihre Beziehung scheint von gegenseitiger Manipulation und Abhängigkeit geprägt gewesen zu sein. In diesem Brief verteidigt Wilde seinen ausschweifenden, hedonistischen Lebensstil, begreift ihn jedoch nur als den einen Teil eines erfüllten, bedeutenden Lebens. Was den anderen Teil dieses Lebens ausmacht, benennt Wilde nicht genauer, aber er schreibt darüber im Kontext des einen von zwei Sätzen über Dorian Gray
a great deal of it is hidden away in the note of doom that like a purple thread runs through the texture of Dorian Gray


Ist für Wilde Lila die Komplementärfarbe zu Gray, also grau? Und warum hat das Verderben eine Farbe – nämlich Lila?

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In diesem Brief verteidigt Wilde seinen ausschweifenden, hedonistischen Lebensstil, begreift ihn jedoch nur als den einen Teil eines erfüllten, bedeutenden Lebens.
Das San Francisco des 19. Jahrhunderts ist geprägt vom schnellen Reichtum des Goldrauschs und einer Armut an Frauen. Daher tanzen beim Square Dance ganz pragmatisch auch Männer mit Männern. Damit niemand durcheinander kommt, lassen die Tänzer in der männlichen Rolle ein blaues Halstuch aus ihrer Arschtasche hängen. Wer in der weiblichen Rolle tanzt, trägt ein rotes Halstuch.

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In der schwul-lesbischen Community der Stadt wird diese Anekdote für den Ursprung des sogenannten Hanky Codes gehalten, der sich vor allem in der schwulen Lederszene der 1970er Jahre entwickelt: Je nachdem, wie, wo am Körper und in welcher Farbe man sein Halstuch trägt, kann man ohne ein einziges Wort kommunizieren, worauf man beim Sex steht und in welcher Position man es gernhat: Dom oder Sub, Bottom oder Top, passiv oder aktiv. Sie wissen schon.

Ich bin mir unsicher, welchen Farbton Wilde genau mit purple meinte, aber ein rosa Tuch symbolisiert, dass man Dildospiele gut findet, wer Altrosa trägt, mag Nippleplay, Magenta steht fürs Achselhöhlen lecken und Fuchsia für Spanking.

Wenn die Lilatöne, genau wie die restlichen Farben des seit Judy Garland viel besungenen Regenbogens, ein aufregendes Sexleben symbolisieren, wofür steht dann das Grau in Dorian Gray? Ist Grau vielleicht einfach das alltägliche Grauen der Spiessigkeit, der alltägliche Alptraum, Grau in all seinen todeslangweiligen Schattierungen zwischen Weiß und Schwarz, grau wie ein fahles Gesicht oder der Berliner Winter, ein Wandtattoo in Schnörkelschrift? Ist die Missionarsstellung grau?

Ich muss zugeben, das fände ich ziemlich einfallslos und wenig überraschend.
Wenn die Lilatöne, genau wie die restlichen Farben des seit Judy Garland viel besungenen Regenbogens, ein aufregendes Sexleben symbolisieren, wofür steht dann das Grau in Dorian Gray?
Ist grau alles, was nicht bunt ist und bunt alles, was nicht grau ist? Ist der Horror des Menschseins, der sekündlich voranschreitende Prozess des körperlichen Verfalls, bunt, schreiend bunt und quälend farbenfroh – wie in der Dorian Gray-Verfilmung mit Angela Lansbury?

Und besteht nicht das Grauen der sogenannten Pictures auf den sozialen Medien, in den Zeitungen und im Fernsehen auch darin, dass in einem Moment ein verstümmelter Körper die menschenverachtende Brutalität eines Krieges bezeugt und im nächsten ein unversehrter als Werbung für eine neue Fitness App durchs Bild hüpft? Ergibt diese Aneinanderreihung von Bildern nicht ein Grauen, so bonbonfarben bunt wie alle Regenbogen der Welt zugleich? Ein pornografisch zur Schau gestelltes, in 17 Millionen verschiedenen Farbtönen darstellbares Grauen?

Oder ist Grau eben gar keine Farbe, sondern ein erstrebenswerter Zustand völliger Eintönigkeit in einer Welt des Spektakulären, der brüllenden Tausendfarbigkeit? Ist Grau eine Einstellung? Ein Akt der Verweigerung, mit dem sich die Blicke der Betrachtenden zurückspiegeln lassen? Das, was da ist, bevor irgendeine Form von Projektion, von Einfärbung oder Verfärbung, von Verfälschung stattfinden konnte? Es scheint mir kein Zufall zu sein, dass es gerade jetzt in Mode kommt, auf dem Smartphone einen sogenannten Schwarz-Weiß-Modus zu aktivieren (dazu einfach in den Einstellungen auf Farbfilter klicken).

Obwohl, das klingt jetzt so, als wäre eine jede eingefärbte Oberfläche lediglich trügerische Hülle, die irgendein ominöses Eigentliches, Wahrhaftiges versteckt. Aber ist nicht, insbesondere in einem queeren Kontext, die Gestaltung des Äußeren immer auch und vor allem ein diskursiver Akt, die Oberfläche Eins mit dem Inneren, die ewigen Dualismen Körper-Seele,Innen-Außen aufgelöst?

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Legt man alle Farben des Regenbogens an einer Stelle aufeinander, ergibt das ein wunderschönes, ein samtig-dunkles, ein sattes Grau.




Marcus Peter Tesch beschäftigt sich in seinen Projekten mit der Neuerzählung und Sichtbarmachung queerer Geschichte(n) und setzt sich mit Klassismus und dessen Erzählbarkeit auf der Bühne auseinander. Inszenierungen seiner Texte waren u. a. am Deutschen Theater, Berlin, dem Theater Rampe, Stuttgart und der Berliner Schaubühne zu sehen.

Ran Chai Bar-zvi inszeniert »Das Bildnis des Dorian Gray« nach Oscar Wilde mit einem Kommentar von Marcus Peter Tesch [Uraufführung] in den Kammerspielen. Premiere ist am 12. Dezember 2025.
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